Deutschland gegen Ghana – eine DFB-Analyse

Das deutsche Nationalteam schaffte mit einem 1:0-Zittersieg gegen Ghana den Aufstieg ins Achtelfinale und muss am Sonntag gegen England ran. Es war das erwartete Geduldsspiel gegen sehr defensiv eingestellte “Black Stars”, denen ein Punkt bereits gereicht hätte.

Die DFB-Elf lief in bereits bekanntem 4-2-3-1 auf, mit Cacau als einziger Spitze. Die Taktik war es, das Spiel am Boden zu belassen und mit schnellen Kombinationen zum Erfolg zu kommen – eine Strategie, welche von den Afrikanern erwartet wurde, die sich gut darauf einstellen konnten. Ghana stand sehr kompakt hinten. Bei Ballbesitz der Deutschen wurden die Räume im und um den Strafraum ganz eng gemacht und wurde aus dem 4-3-3 ein 4-5-1. Die Aussen konnte Ghana vernachlässigen, da ein Flankenspiel mangels Kopfballabnehmer sowieso untauglich war. Die drei Angreifer versuchten bereits beim Spielaufbau zu attackieren und das Spiel auf Deutschlands linke Seite zu verlagern. Das Spiel der Black Stars war sehr kräfteaufreibend, jedoch über 60 Minuten auch sehr effektiv.

Meine Analyse der Mannschaftsteile:

DER TORMANN

Manuel Neuer hatte wieder nicht allzuviel zu tun. In allen drei Vorrundenpartien musste er keine grosse Parade aus seinem Repertoir zücken. Seine Stärken liegen im Fußball-Spiel und in der Spieleröffnung mit langen Auswürfen – seine Schwächen hatte er gestern bei Flanken, wo er eine fast unterlief und bei einer Chance der Ghanaer auf der Linie kleben blieb.

DIE DEFENSIVE

Nach dem Badstuber-Bashing im Spiel gegen Serbien ersetzte Löw den Münchner gegen Jerome Boateng, der eigentlich gelernter Innenverteidiger ist und beim HSV hauptsächlich auf rechts randurfte. Ihm war die Nervosität und Ungewohntheit der Position anzumerken, stabilisierte sich aber nach rund 20 Minuten. Ghana versuchte durch Pressing und Stellungsspiel die deutsche Spieleröffnung auf die linke Seite zu ziehen, um Boateng unter Druck zu setzen. Daher war er es auch, der in der 1. Hälfte die zweitmeisten Ballkontakte hatte. In der Defensive war er manchmal wackelig, aber ansonsten solide. In der Offensive zog er immer wieder nach innen und ließ Podolski auf der Aussenbahn sterben. Es gab so gut wie kein Zusammenspiel zwischen den Beiden auf der linken Seite.

Den besten Job in der Defensive machte Arne Friedrich mit sehr gutem Stellungsspiel, sauberen Tacklings und auch unerwartet guter Spieleröffnung. Per Mertesacker dagegen erwischte einen schwarzen Tag, ließ sich immer wieder überlaufen und wirkte im 1:1 sehr zögerlich. Auch Philipp Lahm auf rechts trat nicht so sehr in Erscheinung wie im Spiel gegen Australien. Auch er ließ sich scheinbar von der Nervosität anstecken – hatte aber über 90 Minuten eine solide Partie.

DAS MITTELFELD

Es ist das Prunkstück des deutschen Spiels. Die Ballsicherheit von Schweinsteiger, Khedira, Müller, Özil und Podolski zählten zu den Garanten des Sieges gegen Australien. Absoluter Antreiber im deutschen Spiel und bester Mann am gestrigen Abend war Bastian Schweinsteiger. Jeder Angriff lief über ihn. Er ist Ballverteiler, Stratege, Abräumer und Anführer in Personalunion. Seine Hauptaufgabe gestern war, die Kreise von Kevin-Prince Boateng einzuschränken, der auch keinen Stich gegen ihn machte. Sein Partner auf der 6-er-Position, Samy Khedira, dagegen war ein Totalausfall. Bereits im Spiel gegen Serbien fiel er zu selten auf. Im Defensivverhalten scheint er immer dort zu stehen, wo das Spiel gerade nicht läuft – seine Zweikampfbilanz ist für einen 6er nicht würdig. Im Offensivsspiel versucht er mit Vorstößen, den zweiten Angreifer zu simulieren, blieb aber immer glücklos.

Auf links Aussen war Lukas Podolski auf verlorenem Posten. Von Boateng ganz selten eingesetzt – da dieser immer wieder nach Innen zog – bekam er selten Bälle und hatte auch immer zwei Gegenspieler vor sich. Auf rechts mühte sich Thomas Müller, doch auch ihm wollte an diesem Tag nicht viel gelingen. Mesut Özil war auch diesmal wieder sehr agil, immer anspielbar – ging aber nie in ein 1:1. Dafür war seine Schusstechnik beim 1:0-Siegestreffer weltklasse.

DER ANGRIFF

Cacau als Solo-Stürmer hatte einen sehr schweren Stand gegen die defensiven Afrikaner. Er liess sich immer wieder zurückfallen, phasenweise bis an den eigenen Strafraum, um sich die Bälle selbst zu holen. Im Spiel nach vorne erhielt er aber wenige verwertbare Pässe und und konnte sich im Spiel am Boden nie gegen eine Überzahl Afrikaner durchsetzen.

Gegen England wird die Deutschen naturgemäß ein anderes Spiel erwarten. Zum Einen ist es zwar ebenso ein K.O-Spiel wie gegen Ghana, der Erwartungsdruck wird jedoch geringer sein, da das Achtelfinale erreicht und England ein anderes Kaliber ist, das selber sehr viel Druck verspürt. Es ist daher eher mit einem ausgeglichenen Spiel zu rechnen.

In der Defensive sind weiterhin die linke Seite und nunmehr die Verletzung von Bastian Schweinsteiger die großen Fragezeichen. In der Offensive dürfte Miro Klose zurückkehren und sich somit auch eine weitere Option – Spiel über Aussen mit Flankenabschluss – wieder öffnen. Ich erwarte ein sehr enges Spiel, dass möglicherweise in die Verlängerung oder sogar ins Elfmeterschiessen geht.

NOTENVERGABE (1 = Sehr Gut / 5 = Totalausfall)

Neuer: 3
Lahm: 2
Friedrich: 1
Mertesacker: 4
Boateng: 3
Podolski: 4
Schweinsteier: 1
Khedira: 4
Müller: 3
Özil: 2
Cacau: 3

Über austhromas

Sport- und Medienfreund aus Österreich mit angeborener Fussball-Verrückheit und fremdinjizierter Liebe für US-Sportarten.
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Eine Antwort zu Deutschland gegen Ghana – eine DFB-Analyse

  1. dummy schreibt:

    Neuer musste mindestens 2 mal zeitig rauslaufen, um zu klären und hat dabei in der 51. gegen Asamoah das 0:1 verhindert. Er hatte also durchaus mehr zu tun als in den Spielen bisher.

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